Ein Index ist keine ewige Liste. Unternehmen wachsen hinein und fallen heraus, Aktien werden gesplittet, Streubesitz verschiebt sich. Damit der Stand trotz dieser technischen Eingriffe fortlaufend bleibt, pflegt ein Index-Anbieter ihn nach festen Regeln — und justiert dabei den Divisor, das stille Herz jeder Indexberechnung.
Hinter jedem großen Index steht ein privater Anbieter, der die Regeln festlegt, die Zusammensetzung überwacht und den Stand sekündlich berechnet und lizenziert. Diese Regelwerke sind öffentlich — und sie entscheiden über Aufnahme, Gewicht und Ausschluss.
In festen Abständen — meist quartalsweise — überprüft der Anbieter die Zusammensetzung. Wer groß genug geworden ist, steigt auf; wer geschrumpft ist, fliegt heraus. Zugleich werden Gewichte an aktuelle Streubesitz- und Kapitalzahlen angepasst. Diese Termine bewegen viel Geld, weil alle Index-Fonds gleichzeitig nachziehen müssen.
Zum Stichtag werden alle Kandidaten nach Börsenwert und Handelbarkeit gerankt. Beim S&P prüft zusätzlich ein Komitee Kriterien wie Profitabilität und Streubesitz.
Ein neuer Wert ersetzt einen ausscheidenden. Die Ankündigung kommt einige Tage vorher — die Aufsteiger-Aktie steigt oft schon vorab, weil ETFs sie kaufen müssen („Index-Effekt").
Beim Rebalancing werden Streubesitz-Faktoren und etwaige Gewichtsdeckel neu gesetzt. Übergroße Gewinner werden gestutzt, der Divisor entsprechend angepasst.
Die Änderung greift zu einem festen Datum (oft dritter Freitag im Quartalsmonat, „Hexensabbat"). Rund um diesen Schluss ist das Handelsvolumen außergewöhnlich hoch.
Warum stürzt der Index nicht ab, wenn eine Aktie 2:1 gesplittet wird und ihr Kurs sich halbiert? Weil der Divisor angepasst wird. Wählen Sie ein Ereignis und sehen Sie, wie der Anbieter den Teiler nachzieht, damit der Stand exakt gleich bleibt.
Drei Gedanken, bevor wir die großen Indizes selbst betrachten.
Zusammensetzung und Gewichte ändern sich laufend nach festen Regeln eines Anbieters — Aufstieg, Abstieg, Rebalancing.
Bei Splits oder Mitgliederwechsel wird der Teiler so angepasst, dass technische Eingriffe den Stand nicht verfälschen.
Zu Rebalancing-Stichtagen müssen alle Index-Fonds gleichzeitig handeln — Volumen und Volatilität steigen sprunghaft.